Zechentod

Kriminalroman


 

SCHICHT IM SCHACHT  In Bottrop schließt die letzte Zeche. Als der ehemalige Bergarbeiter Andy Goretzka spurlos verschwindet, beginnt die Psychologiestudentin Liesa Kwatkowiak zu ermitteln. Zusammen mit Timo, Computernerd und Sohn des Vermissten, stößt sie auf den rätselhaften Todesfall eines jungen Bergmanns in den neunziger Jahren. Ist der Steiger Schleheck ein kaltblütiger Mörder? Während der Steinkohlenbergbau zu Grabe getragen wird, gerät Liesa selbst in Gefahr. Es droht der Fall ins Bergfreie – in den Tod …

 

 

Erscheinungstermin: August 2019

 

ISBN-10: 3839225205

 

ISBN-13: 978-3839225202


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Interview

 

 

Wie ist der Roman „Zechentod“ entstanden?

 

Vor dem Roman „Zechentod“ habe ich Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben und mich dann erst an eine längere Geschichte herangewagt. Zuletzt wurden zwei Kurzgeschichten veröffentlicht, die ich bei Wettbewerben eingereicht hatte, „Was weg ist“ in der Kurzgeschichtensammlung „Tschüssikowski“ und „Ruhig Blut, Tante Hetti“ in „Kreuzworträtsel, Tathergang 2“. Beide Geschichten sind kurze Krimis mit Humor und einer Hauptperson: dem Willi, Handwerker mit Bergmannsvergangenheit. Mir hat das Schreiben dieser Willi-Geschichten so viel Spaß gemacht, dass ich mit ihm einen längeren Krimi, einen Roman, schreiben wollte. Um einen Fall zu lösen, setzte ich ihm seine Nichte Liesa vor die Nase, die gemeinsam mit dem Computernerd Timo Ermittlungen aufnimmt und sich bei ihren Abenteuern in Bottrop bewegt.

 

 

Woher stammt die Idee von „Zechentod“?

 

Mit dem Bergbauende, das sich für Dezember 2018 ankündigte, habe ich mich persönlich stark auseinandergesetzt. Den Roman „Zechentod“ schrieb ich Ende 2017 und 2018, als der Abschied vom Steinkohlenbergbau näher rückte und mich sehr beschäftigte. Ich habe mich gefragt, warum es mich so bewegt, was ich mit diesem Abschied verbinde, was das Bergbauende für uns im Ruhrgebiet bedeutet. In dem Roman „Zechentod“ geht es um den Abschied vom Bergbau, den die Hauptfigur Liesa vor Ort in Bottrop miterlebt, aber er thematisiert auch ihre ganz persönliche Trauer und wie es ist, aus der Bahn geworfen zu werden. Neben der Ermittlung in einem Vermissten- und Todesfall hat Liesa also zu einer ganz besonderen Zeit Probleme zu bewältigen und Abenteuer zu erleben. Das macht sie übrigens mit viel Selbstironie und begleitet von Ommas Ruhrpott-Sprüchen. Der Ruhrgebietshumor mit seiner besonderen Sprache kommt also auch nicht zu kurz.

 

 

Was verbindet Sie mit der Stadt Bottrop und dem Ruhrgebiet?

 

Ich wurde in Bottrop geboren und habe die meiste Zeit auch hier gelebt. Alles in allem bin ich immer gern hier ansässig geblieben. Ein Kind des Ruhrgebiets also. Ich bin in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen, als noch in mehreren Zechen gearbeitet wurde und Bergleute zum Alltag gehörten. Sie fuhren zu ihren Schichten ein, Arbeitswäsche hing zum Trocknen draußen, Dubbels wurden geschmiert, es wurde Kohle gescheppt für die Öfen und so weiter. Als der Förderturm von Prosper III abgerissen wurde, war ich Oberstufenschülerin und saß gerade im Klassenraum. Dieser lag in der dritten Etage, nur etwa 200 Meter entfernt, also in direkter Sichtweite und -höhe. Es rumpelte und das Fördergerüst, dieses riesige R, das aussah, als würde oben drauf ein Kleinwagen stehen, krachte zusammen und war weg. Nach all den Jahren und für uns Schüler ohne jede Vorwarnung. Ich werde das Geräusch, wenn Stahl auf Stahl kracht, nie vergessen. Es hat das Zechensterben unmittelbar erfahrbar gemacht und mich nachhaltig beeindruckt.

 

 

Welche Verbindung haben Sie zum Bergbau?

 

Opa, Bruder, Onkel, Schwager – einige Familienmitglieder waren Bergleute, noch bis vor wenigen Jahren. Ich habe als Kind in einem Zechenhaus gelebt, mit Kohleöfen und Eisblumen an den Fenstern. Mein Opa mütterlicherseits arbeitete schon als Bergmann. Dessen Vater war Ende des 19. Jahrhunderts nach Bottrop gekommen, als Sohn eines Landwirts aus Ostpreußen, ganz typisch fürs Ruhrgebiet. Ein Teil meiner Familie spiegelt also die Entwicklung des Ruhrgebiets wider, vom Ländlichen zum Städtischen, von der Landwirtschaft zur Industrie. Mein Vater ist übrigens Mitte der 1950er Jahre als sogenannter Gastarbeiter aus Italien nach Bottrop gekommen. Mehr Ruhrgebietsmigration geht fast nicht. Ohne den Bergbau, das „schwarze Gold“, wäre ich jetzt nicht hier. Und das gilt wohl für 80 Prozent der Ruhrgebietler.

 

 

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher?

 

Wenn man Augen und Ohren offen hält, kann man die Beobachtungen  zu einer Geschichte verweben. Ich mag die Leute im Ruhrgebiet, speziell in Bottrop, die typische Ruhrgebietssprache mit dem „Hömma!“ und „Komma!“, die Typen, ihren Humor.  Über schlagfertige Sprüche und Weisheiten kann ich mich richtig beömmeln. Mit meinen Büchern möchte ich das gern transportieren und unterhalten, aber auch konservieren.

 

 

Wie haben Sie für den Roman „Zechentod“ recherchiert?

 

Abgesehen von dem, was ich durch meine Familie schon über den Bergbau und den Alltag zu aktiven Zechenzeiten erfahren hatte, habe ich viel gelesen, mir Dokumentationen angesehen mit authentischem Filmmaterial, mich mit Bergleuten ausgetauscht und bin dann auch ans Eingemachte.  Im Trainingsbergwerk Recklinghausen, das ich Besuchern übrigens sehr empfehlen kann, habe ich einen Eindruck davon bekommen, wie laut und beschwerlich die Arbeit unter Tage ist. Das absolute Highlight war aber die Grubenfahrt in Bottrop, Prosper V Schacht 10. Ich hatte mich um eine Grubenfahrt beworben und konnte mein Glück kaum fassen, kurz vor dem Ende des Schachtbetriebs noch unter Tage zu kommen. Um mir da unten einmal den Wind um die Nase wehen zu lassen, die typischen Grubengerüche wahrzunehmen und es überhaupt einmal zu erleben, musste ich meine heftige Höhenangst überwinden. Es ging schließlich gut 1.200 Meter in die Tiefe – und anschließend wieder hinauf. Die Kumpel waren freundlich, geduldig und haben ihren ganz besonderen Arbeitsplatz gern gezeigt. Immer mit dem Wissen, dass bald alles zu Ende sein würde. Man darf nicht vergessen, dass die Zeche den Bergleuten viel mehr bedeutet als irgendein Arbeitsplatz. Es ist ein Teil der Biographie, des Lebens also, und gehört zur Identität. „Einmal Bergmann, immer Bergmann“ sagen sie und sind stolz darauf - wie ich finde, zu Recht.  Ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben und darüber schreiben durfte und habe das Buch den Bergleuten und ihren Familien gewidmet.  



Entspringen die Figuren Ihres Romans Ihrer Fantasie, oder beschreiben Sie auch authentische Personen?

 

Die Figuren in meinem Roman „Zechentod“ sind zwar frei erfunden, ähneln aber doch alle dem einen oder anderen Bekannten oder Verwandten. Manchmal mischen sich zwei Personen, färben etwas auf eine Figur ab oder sie lassen etwas vom Stapel, was ich einmal irgendwann aufgeschnappt habe. Mit einer Ausnahme. Die zentrale Abschiedsveranstaltung in Bottrop auf dem Gelände der Zeche Franz Haniel spielt ja in meinem Roman eine wesentliche Rolle. An dem Tag wurde Geschichte geschrieben und viele Menschen haben den emotionalen Abschied in den Medien verfolgt. Manche der offiziellen Personen, die tatsächlich dabei waren, habe ich angedeutet, weil sie den realen Rahmen für die eigentliche, erfundene Handlung des Romans bilden. Liesa hat dort einen heftigen Kampf auszutragen, aber mehr möchte ich darüber nicht verraten.

 

 

Wie ist es zu der Veröffentlichung gekommen?

 

Als Autor braucht man hauptsächlich Geduld und Durchhaltevermögen. Die Chance, ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen, ist sehr gering. Ich bin sehr froh, dass der Gmeiner-Verlag mein Manuskript haben wollte. Da ist es bestens aufgehoben. Aber reich wird man als Autor nicht, da müsste man schon Bestseller schreiben oder ein prominenter Zeitgenosse sein.

 

 

Welche literarischen Vorbilder haben Sie?

 

Ich mag Detektivgeschichten, ganz klassisch Sherlock-Holmes-Geschichten oder auch Columbo als Fernsehermittler. Die Autoren Jacques Berndorf und - regional aufs Ruhrgebiet bezogen - Jan Zweyer und Jörg Juretzka lese ich gern. Mich reizt es, wenn Humor im Spiel ist und sich der Ermittler nicht zu wichtig nimmt. Die Beschreibung von Polizeiarbeit interessiert mich eher wenig. 

 

 

Woran arbeiten Sie zurzeit?

 

Ich schreibe an einer Fortsetzung von "Zechentod". Ein spektakulärer Mord im Umfeld der Zeche, fiese Machenschaften, Liesa und Timo zwischen den Fronten rivalisierender Gruppen ... Mehr wird noch nicht verraten!

 

 

Vielen Dank. Datt war'n nettes Gespräch.

 

Jau, datt waret.   :o)

 

 

 

                                                                                                        (© Sylvia Sabrowski, Juli 2019)